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BfF #1


13.05 / 
15:00 – 17:00


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13.05.2021 / 15:00 – 17:00 / BfF #1

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Vergangenes Programm

Die Ausstellungsdaten der Biennale für Freiburg #1


BfF #1


14.04


Ausstellungsparcours: 10. September - 3. Oktober 2021 / Studioprogramm: Anfang Mai bis Ende August 2021

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Die Ausstellungsdaten der Biennale für Freiburg #1

14.04.2021 / BfF #1

Die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg (BfF #1) beschäftigt sich mit Formen der Produktion innerhalb und außerhalb des Studios. Prozesse und Handlungen, die üblicherweise in einem Künstler*innen-Studio stattfinden werden in andere Kontexte und Situationen übertragen. Dabei wird der öffentliche Raum zum Ort der Produktion und zum Gegenstand der Auseinandersetzung.

Die Biennale für Freiburg #1 findet dieses Jahr in zwei Phasen statt:
Studioprogramm: Anfang Mai bis Ende August 2021
Ausstellungsparcours: 10. September bis 3. Oktober 2021

Das Studioprogramm versteht sich als Produktions-, Diskurs- und Vermittlungsphase und legt das Fundament für den anschließenden Ausstellungsparcours. Zwischen Mai und August werden Künstler*innen während ihrer Aufenthalte in Freiburg Einblicke in ihre Produktionsprozesse geben, Workshops veranstalten und neue Arbeiten entwickeln. Der Ausstellungsparcours wird sich im September über verschiedene Orte in der Stadt erstrecken und  Installationen, Videoarbeiten, Malerei und Fotografie präsentieren. Auch Veranstaltungen und Performances finden im September statt. Die Ausstellungsorte werden in den nächsten Wochen bekannt gegeben, die Laufzeit der Ausstellung bitten wir bereits jetzt zu notieren und hoffen auf Ihren Besuch zwischen dem 10. September und dem 3. Oktober 2021.

Nachdem das Studio für dieses Programm kein fester Ort ist und gerade die Abwesenheit klassischer Atelierräume der Ausgangspunkt unserer Überlegungen für die Biennale für Freiburg ist, werden fast alle Veranstaltungen in dieser Zeit an wechselnden Plätzen im Außenraum stattfinden. Das Ineinanderfließen von Studio- und Stadtraum wird folglich auch den Inhalt des Programms widerspiegeln und prägen. Dieses handelt von Freiburg im Besonderen und von Stadt im Allgemeinen. Von Methoden, Stadtraum wahrzunehmen, diesen zu erschließen und ein Stadtbild zu erzeugen. Vom Schwarzwald als heilendes, feuchtigkeitsspeicherndes Kabinett. Von Geschichte, die im öffentlichen Raum repräsentiert wird und von Geschichten, die nicht zu finden sind. Von Stimmen, die sehr Privates berichten und dies gleichzeitig mit der Vernebelung durch Fiktion zu schützen wissen. Es wird ein künstlerisch-wissenschaftliches Symposion zum Begriff der Öffentlichkeit ausgetragen und ein Gespräch mit einer Marmorstatue abgehalten. Wir werden Sie außerdem dazu einladen, an zwei sehr unterschiedlichen Spaziergängen teilzunehmen, sich mit dem Tagebuchschreiben und dem Klang von Schlössern zu beschäftigen.

Das Studioprogramm bewegt sich im Zwischenbereich von intimen Situationen der Produktion und öffentlichen Momenten der Präsentation. Zu einzelnen Programmpunkten zwischen Mai und August werden wir Sie direkt einladen und hoffen auf Ihre aktive Beteiligung als Schreibende, Sammelnde, Erzählende oder Tanzende. Bei anderen Veranstaltungen freuen wir uns, Sie als beobachtende Gäste zu begrüßen. Von bestimmten Programmpunkten, die den Schutz des Studios in Anspruch nehmen werden, wird das Publikum erst im Nachhinein erfahren. Sie werden jedoch nichts verpassen, denn alle Prozesse werden in die abschließende Ausstellung übergehen und dort durch weitere künstlerische Arbeiten ergänzt.

In monatlichen Newslettern werden wir Sie über das Studioprogramm informieren. Aufgrund der COVID-19-Pandemie ist noch offen, ob es im Mai bereits ein öffentliches Programm geben wird. Wir hoffen aber und sind voller Zuversicht, Sie schon bald zu Veranstaltungen im Juni einladen zu können.

Bleiben Sie gesund und bis bald!
Biennale für Freiburg #1

Kulturpolitische Initiativen


Biennale für Freiburg


15.02


Die Biennale für Freiburg unterstützt das offene Netzwerk „Kultur macht reich“ sowie das landesweite "Bündnis für eine gerechtere Kunst- und Kulturarbeit."

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Kulturpolitische Initiativen

15.02.2021 / Biennale für Freiburg

Die Biennale für Freiburg unterstützt das offene Netzwerk „Kultur macht reich“, das sich auf lokaler Ebene für eine kreative und fördernde Kulturpolitik einsetzt:

„Seit ihrer Gründung in krisenhafter Zeit fordert die Initiative eine weitsichtige Kulturpolitik, die das kulturelle Erbe verantwortlich weiterträgt und für neue Impulse offen ist. Unabhängig von den jeweiligen Haushaltslagen engagiert sie sich für eine rechtzeitige und angemessene Einbeziehung der Freiburger Kultureinrichtungen in die kulturpolitischen Beratungen. Die Initiative wendet sich gegen eine konfrontative Gegenüberstellung von Kulturpolitik und Bildungs-/Sozialpolitik. Diese Bereiche brauchen und ergänzen einander.“

Außerdem ist Leon Hösl, künstlerischer Leiter der Biennale für Freiburg, Unterzeichner des landesweiten „Bündnis für eine gerechtere Kunst- und Kulturarbeit, Baden-Württemberg“. Im Juni 2020 gegründet verstehen sich die beteiligten Akteur*innen und Institutionen als offenes, unabhängiges und disziplinübergreifendes Bündnis für gerechte, diverse und inklusive Verhältnisse im Kunst- und Kulturbetrieb:

„Was uns bewegt, sind die Sorge um die Zukunft der Künste sowie die Überzeugung, dass diese nur dann unabhängig bleiben, wenn sich die Strukturen und Bedingungen des Kunst- und Kulturbetriebs sowie für Kunst- und Kulturarbeiter:innen radikal verändern.“

Am Montag, 22. März 2021, um 14 Uhr findet das nächste große Bündnistreffen digital statt.

Zu den vollständigen Statements und aktuellen Informationen:
Kultur macht reich
Bündnis für eine gerechtere Kunst- und Kulturarbeit

Ortsbegehung


Biennale für Freiburg


24.09


In Vorbereitung der ersten Ausgabe der Biennale für Freiburg laden wir Sie herzlich zur ersten gemeinsamen Begehung ein. Dabei werden bei einem Spaziergang Konzept und Themen vorgestellt und in Bezug zum städtischen Raum gesetzt. Anschließendes Filmscreening von „A Walk“ von Rahima Gambo.

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Ortsbegehung

24.09.2020 / Biennale für Freiburg

ab 19 Uhr
Informationen zur Anmeldung siehe unten.

Das Studio einer Künstlerin, eines Künstlers oder einer Klasse von Kunststudierenden hat nicht zwangsläufig einen physischen Raum zur Bedingung. Ein Studio ist zuerst ein Ort der Produktion, des Experiments und des Austauschs. Ein Studio ist ein geschützter Ort für darin stattfindende Gedanken und Handlungen. Ein Ort für Dinge, die im Werden begriffen sind. Ein Ort der regelmäßigen Überprüfung. Ein Ort, an dem Handlungen präsentiert, getestet und reflektiert werden. Ein Ort, der ehrliche Meinungsäußerung ermöglicht. Ein Ort, um Fähigkeiten zu trainieren und anzuwenden. Ein Ort für Produktion und Zerstörung, für Abwägung und Spontaneität. Ein Studio ist ein Ort, an dem Vorschläge gemacht werden.

Ein weißes Blatt auf dem drei Bleistiftlinien gezogen sind. Zwei davon ziehen Schwünge und Kreise, die mittlere fast gerade. Die mittlere Linie beginnt an drei Punkten, die zu einer Linie zusammenlaufen, die untereste beginnt an einem Punkt und endet in drei seperaten Linien an deren Ende Pfeile gezeichnet sind.

Rahima Gambo, A Walk Map, 2019

Die Biennale für Freiburg (BfF) lädt zu ihrer ersten Veranstaltung ein. Bei einer Ortsbegehung werden Konzept und thematische Überlegungen der ersten Ausgabe in den Raum gestellt und bei einem gemeinsamen Spaziergang vermittelt, getestet und diskutiert. Es wird der erste Versuch unternommen, den öffentlichen Raum zum Arbeitsort zu erklären und ein temporäres, bewegliches Studio zu bilden. Die Veranstaltung endet mit dem Film „A Walk“ (2019) der Künstlerin Rahima Gambo und dauert insgesamt circa 90 Minuten.

An der Ortsbegehung sind beteiligt:
Ronja Andersen und Marius Schwarz, Christoph Chwatal, Rahima Gambo, Aziza Harmel, Fanny Hauser, Leon Hösl, Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V. (Heinrich Dietz, Julia Galandi-Pascual, Heidi Brunnschweiler, Ben Hübsch), Magdalena Stöger, Fritz Laszlo Weber.

Das Verhältnis von ‘Biennale’, ‘für’ und ‘Freiburg’ ausgestalten


12.04.2021 / Kuratorischer Beirat der BfF #1

Für die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg wurden wir eingeladen, den Kuratorischen Beirat, das Curatorial Advisory Board, zu bilden. Wir sind Aziza Harmel, Christoph Chwatal, Fanny Hauser, Fritz Laszlo Weber und Magdalena Stöger.

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Das Verhältnis von ‘Biennale’, ‘für’ und ‘Freiburg’ ausgestalten

12.04.2021 / Kuratorischer Beirat der BfF #1

Christoph Chwatal, Leon Hösl, Aziza Harmel (obere Reihe, v.l.n.r.)
Fritz Laszlo Weber, Fanny Hauser, Magdalena Stöger (untere Reihe, v.l.n.r.)

Dieser Text basiert auf einem Transkript der Vorstellung des Kuratorischen Beirats, die im Rahmen der “Ortsbegehung” am 24. September 2020 in hybrider Form stattfand.

Für die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg wurden wir eingeladen, den Kuratorischen Beirat, das Curatorial Advisory Board, zu bilden. Wir sind Aziza Harmel, Christoph Chwatal, Fanny Hauser, Fritz Laszlo Weber und Magdalena Stöger.

Als Künstler*innen, Kurator*innen, Kunst- und Kulturwissenschaftler*innen haben wir in Institutionen gearbeitet, eigene Projekte umgesetzt, Kollektive und Projekträume gegründet, Kunstkritiken veröffentlicht, Praktika absolviert und an zahlreichen Tresen und Kassen gejobbt, um uns (und manchmal auch unsere prekären Tätigkeiten) zu finanzieren.

Als Gruppe bilden wir eine Art Resonanzraum für kuratorische, künstlerische und wissenschaftliche Fragestellungen, in dem sich unsere Expertisen, Interessen und Perspektiven zu einem Mosaik zusammensetzen. Auf diese Weise begleitet der Beirat den Entwicklungsprozess der Biennale und steht dem künstlerischen Leiter, Leon Hösl, beratend und unterstützend zur Seite. Gespräche im physischen und digitalen Raum verknüpfen unsere fragmentarischen Realitäten.

Leon Hösl, Fritz Lazlo Weber, Christoph Chwatal (obere Reihe, v.l.n.r.)
Magdalena Stöger, Fanny Hauser, Aziza Harmel (untere Reihe, v.l.n.r.)

Der Beirat trägt in seiner Form und Ausgestaltung dazu bei, verschiedene Perspektiven auf die Entwicklung einer Biennale für Freiburg zu versammeln. Das Wort ‘für’ ist, wie auch das Wort ‘bei’, eine Präposition, ein Verhältniswort. Es steht noch vor dem eigentlichen Ausdruck – wie auch wir noch vor dem eigentlichen Ereignis, der Biennale für Freiburg 2021, stehen. Präpositionen können lokale, temporale oder kausale Bedeutungen tragen oder zur Markierung grammatischer Verhältnisse dienen. Als Beirat sehen wir unsere Aufgabe darin, die Biennale dabei zu begleiten, das Verhältnis von ‘Biennale’, ‘für’ und ‘Freiburg’ auszugestalten.

Verhältnisse sind dabei häufig von unsteter Beschaffenheit. Sie wandeln sich. Sie aktualisieren, erneuern und verändern sich. Gleichzeitig basiert ein Verhältnis immer auf dem, was gewesen ist. Es baut darauf auf. Den Prozess des Begleitens und unsere Gespräche verstehen wir dabei als eine Art Werkzeug, neue Beziehungen und Verhältnisse herzustellen. So begleiten und reflektieren wir die prozesshaften und ortsspezifischen Arbeitsstrukturen der Biennale. Fragmente unseres Austauschs nehmen nun in Freiburg Form an.

Von Hand gekehrt, von Füßen poliert


27.12.2020 / Marius Schwarz

Die Pflastertradition besteht in Freiburg seit dem 19. Jahrhundert. Stein für Stein wurden Plätze, Straßen und Gehwege der Stadt in „wilden“ oder geordneten Mustern verlegt und teilweise mit Ornamenten dekoriert und umrandet.

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Von Hand gekehrt, von Füßen poliert

27.12.2020 / Marius Schwarz

Im Zuge der Modernisierung investierte die Stadt Freiburg 2012 in eine Kolonne hybrider Kehrmaschinen. Kurz nach ihrer Einführung stellte sich heraus, dass die Maschinen neben Müll und Dreck auch einen Großteil des Sandes aus den Fugen des historischen Straßenpflasters saugen. Infolgedessen musste das Tiefbauamt die Straßen 5-6 Mal im Jahr „nachsanden“, was enorme Zusatzkosten verursachte. Wie so oft wenn Vergangenheit und Fortschritt aufeinandertreffen, musste ein Kompromiss gefunden werden. Die Straßenfeger*innen wurden also dazu aufgefordert, ihre nagelneuen Kehrmaschinen auf den historischen Pflasterflächen abzuschalten und dort stattdessen wieder mit dem Handbesen zu kehren.

Straßenarbeiter\*innen pflastern eine Straße mit Natursteinen, Freiburg ca. 1945 bis 1955

Die Pflastertradition besteht in Freiburg seit dem 19. Jahrhundert. Stein für Stein wurden Plätze, Straßen und Gehwege der Stadt in „wilden“ oder geordneten Mustern verlegt und teilweiße mit Ornamenten dekoriert und umrandet. Die Kieselsteine für das Pflaster wurden bei tiefem Wasserstand im Flussbett des Rheins bei Breisach gesammelt, wo sie über Jahrhunderte angespült wurden. Von den Schweizer Alpen kommend, durch den Bodensee hindurch und den Rhein herunterfließend hat das Wasser die Kiesel zu den charakteristisch flachen Ellipsen geschliffen. Durch verschiedene Mineralien ergeben sich die vielfältigen Farbschattierungen der Steine, was sie zu einem perfekten Material für komplexe Entwürfe macht.

Arbeiter sammeln Kieselsteine am Fluss, © Stadt Freiburg, Garten- und Tiefbauamt

Neben Straßen und Plätzen wurden die Pflaster*innen auch mit der Anfertigung von Mosaiken beauftragt, die auf bestimmte Sehenswürdigkeiten der Stadt hinweisen. Manche ergänzen öffentliche Gebäuden mit einem Wappen, stellen die Logos von Geschäften dar oder verweisen auf das in einem bestimmten Laden ausgeübte Handwerk. Andere geben das Baujahr der Pflasterung an oder sind rein dekorativ. Der Legende nach war Alois Krems (1825-1881) der erste Pflasterer, der solche Zeichen aus Stein fertigte. Er soll die Technik während seiner Wanderschaft in Südfrankreich aufgegriffen haben. Die Inschrift „1899“ in der Gerbergasse ist das älteste noch erhaltene Beispiel und das einzige in der Stadt, das unter Denkmalschutz steht. Von Anfang an wurde das Pflastern offiziell weder als Kunst noch als Architektur gehandhabt, es ist auch heute noch eine Grauzone und Entwurf und Ausführung liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Pflasterer*innen.

Arbeit an einem Mosaik für eine Schneiderei, © Stadt Freiburg, Garten- und Tiefbauamt

Als Freiburg 1944 von der Royal Air Force bombardiert wurde, kam die Pflastertradition zu einem abrupten Ende. 80% der Gebäude, sowie 38km Straße waren zerstört. Zum Glück wurde ein Großteil der Trümmer erhalten und gelagert. Währen andere Städte in den Jahren nach dem Krieg begannen, ihre zerstörten Straßen mit Betonplatten oder Asphalt zu erneuern, entschied sich Freiburg seine kostbare Pflastertradition wieder zu beleben und dafür die eingelagerten Steine zu verwenden.

Steinlager auf dem Bauhof des Tiefbauamts Freiburg, Andreas Schwarzkopf, 2014, CC BY-SA 3.0

Heute fällt die Straßenarbeit in den Aufgabenbereich des Tiefbauamts und dessen Mitarbeiter*innen. Auf ihrem Gelände außerhalb der Stadt lagern Steine nach Größe und Farben sortiert, von denen manche noch aus dem Krieg stammen. Mittlerweile sind die Kiesbestände an den Rheinufern in Breisach fast erschöpft und die gelagerten Steine daher besonders kostbar. Mit einer eigenen Maßeinheit werden die Steine vom Tiefbauamt in drei Größen kategorisiert. Die Größenangaben beziehen sich dabei auf die Quadratmeterzahl, die ein*e Pflasterer*in an einem Arbeitstage verlegen kann. Kiesel der Größe 3 entsprechen circa drei Quadratmeter pro Tag, Größe 1 hingegen nur etwa einen Quadratmeter. Mit dieser Einheit werden die Kosten und Löhne der Pflasterarbeiten vom Tiefbauamt sachgerecht berechnet.

Die Kiesel werden nach Größe sortiert, „Faszination Freiburg“, © SWR 2020

Während die Mosaike früher direkt auf der Straße frei in ein Sandbett gelegt wurden, werden sie heute während der Wintermonate oder bei schlechtem Wetter in der Werkstatt vorbereitet. Im täglichen Geschäft handelt es sich bei den Mosaikarbeiten hauptsächlich um Restaurationen. Ab und zu werden auch neue Mosaike beauftragt. Von Geschäftsleuten, die auf ihre Läden aufmerksam machen wollen, oder von der Stadt selbst, zum Beispiel zur Einweihung neuer Partnerstädte. Wenn ein Entwurf vorliegt, entwickeln die Pflasterer*innen detaillierte Pläne für deren Umsetzung in Stein. Wenn kein Entwurf besteht, entwickeln sie aus den Gesprächen mit den Kunden einen eigenen Entwurf. Mit Hilfe von Holzschablonen werden die Mosaike in großen Stahlpfannen zusammengesetzt. Stück für Stück werden die Schablonen herausgenommen und mit Steinen gefüllt. Am Ende werden die fertigen Mosaikpfannen in einem Stück in die Straße gesetzt.

Restaurierungsarbeiten in der Werkstatt, „Faszination Freiburg“, © SWR 2020

Wenn die Arbeit an einem Mosaik abgeschlossen ist, kommen die Schablonen ins Lager. Auf der Straße wird das neue Mosaik von Hand gekehrt, sodass sich in den Fugen das Moos absetzen kann, um den Sand auszuhärten. Über die Jahre hinweg werden die Schuhe tausender Fußgänger*innen die Steine polieren und ihnen so ihren charakteristischen matten Glanz verleihen.

Gelagerte Holzschablonen, Andreas Schwarzkopf, 2014, CC BY-SA 3.0

Die meisten Menschen werden über das Pflaster laufen ohne ihm viel Aufmerksamkeit zu schenken. Nur manchmal wird jemand kurz stehen bleiben und die subtile Anordnung der Steine bemerken oder sich über die Entstehung eines Entwurfs wundern. Nach und nach kann einem das Pflaster mehr über seine Geschichte preisgeben: die lange Reise der Kiesel; die Zerstörung des Kriegs und die Mühen des Wiederaufbaus; die unvorhersehbaren Kompromisse, die nötig sind, um Traditionen in modernen Zeiten zu erhalten; die Hingabe, das Können und die Kreativität der anonymen Pflasterer*innen.

Das Mosaik vor dem Penny Supermarkt – ein Pfennig für Penny, Andreas Schwarzkopf, 2012, CC BY-SA 3.0

Marius Schwarz und Ronja Anderen haben das Grafikdesign der Biennale für Freiburg #1 entwickelt. In diesem Prozess waren Freiburgs Pflastersteine, sowie Inschriften und Graffiti im öffentlichen Raum eine wichtige Referenz.

Difficult Times


16.12.2020 / Aziza Harmel

Als Leon Hösl, künstlerischer Leiter der Biennale für Freiburg, mir von der neuen grafischen Identität der Biennale erzählte und erwähnte, dass er die Verwendung der Schriftart „Difficult Times“ für die Gestaltung in Betracht zog, befanden wir alle uns im Zentrum schwieriger Zeiten: im Lockdown, während draußen eine weltweite Pandemie grassierte.

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Difficult Times

16.12.2020 / Aziza Harmel

“You’re difficult to read.”, Jungmyung Lee, 2020.

Als Leon Hösl, künstlerischer Leiter der Biennale für Freiburg, mir von der neuen grafischen Identität der Biennale erzählte und erwähnte, dass er die Verwendung der Schriftart „Difficult Times“ für die Gestaltung in Betracht zog, befanden wir alle uns im Zentrum schwieriger Zeiten: im Lockdown, während draußen eine weltweite Pandemie grassierte. Die Schrift ist für den Lauftext vorgesehen, der den Hauptinhalt eines Buches, einer Zeitschrift, einer Webseite oder eines anderen gedruckten oder digitalen Werkes enthält. Normalerweise ist es der längste Teil eines Textes und muss daher möglichst angenehm zu lesen sein.

Der Name der Schriftart, „Difficult Times“, hat mich direkt angesprochen, allerdings musste ich mich doch fragen: Haben wir in schwierigen Zeiten tatsächlich die Ressourcen, um Schriften zu entwickeln? Starten wir in schwierigen Zeiten wirklich eine neue Biennale? Die Antwort auf diese Fragen lautet wahrscheinlich „Nein“… Oder: Wenn wir all das tun können, bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Zeiten nicht wirklich schwierig sind? Wie dem auch sei, wir haben uns trotzdem dafür entschieden, uns die Zeit für all diese Dinge zu nehmen. Selbst wenn die Welt gerade auf eine unendliche Zeitlupen-Apokalypse warten sollte. Denn hat nicht genau jetzt jede*r Einzelne die Aufgabe, einen individuellen Weg zu finden, um das Warten etwas erträglicher zu machen? Was auch immer wir heute tun, es wird unweigerlich zu einem Zeugnis dieser seltsamen und schwierigen Zeit.

Ob es der richtige Moment war, um „Difficult Times“ zu kreieren, ist hier auch gar nicht unser zentrales Thema. Denn wie sich herausstellt, wurde die Schrift bereits 2012 entworfen. Die neue Bedeutung hat der Name also erst im Kontext der Gegenwart erhalten. Die Faszination für die Schrift ging für mich aber von Anfang an weit über den Titel hinaus. Es hat fast etwas Erheiterndes, dass das Schriftbild auf „Times New Roman“ basiert, die als eine der am besten lesbaren Schriften gilt. Die Designer haben die ursprüngliche Optik leicht verschoben und die Reihenfolge der angeblich perfekt ausbalancierten Buchstabenformen so effektiv gestört.

Die vorherrschende Verwendung bestimmter Serifenschriften über ein halbes Jahrtausend hinweg könnte der Grund sein, warum wir davon ausgehen, dass sie die am besten lesbaren sind – obwohl bisher keine wissenschaftliche Untersuchung bewiesen hat, dass bestimmte Typos tatsächlich leserlicher sind als andere. Anders gesagt: Die Idee des perfekten Buchstabens ist eine konditionierte Konstruktion, um Harmonie innerhalb des westlichen Kanons herzustellen.

Das Unbehagen, das man beim Lesen eines mit „Difficult Times“ geschriebenen Textes verspüren mag, hängt mit den Gewohnheiten und der Ästhetik bei der Verwendung von Typografie zusammen, die den Lesevorgang stetig beeinflussen. Es ist der kognitive Aspekt der Typografie in der Aktivität des Lesens. Genau diesen kognitiven Aspekt versuchen Ronja Andersen und Marius Schwarz zu „teasen“. Ich benutze das Verb „teasen“, weil die Designer die kleinen Details der Schriftart mit feinster Subtilität verzerrt haben. Der Kanon als solcher ist immer noch präsent – latent, und doch hat sich etwas verändert. Und weil Form aus Ideologie und Rhythmus besteht, würden wir niemals am selben Ort landen, selbst wenn wir zu Times New Roman zurückkehren würden. So ist alles eine Frage der Zeit.

The sunrise of 2021. Jungmyung Lee, 2020.

Difficult Times wurde erstmals von Ronja Andersen 2012 gezeichnet. Die visuelle Identität der ersten Ausgabe der Biennale für Freiburg (BfF #1) stammt von Ronja Andersen und Marius Schwarz.

Aziza Harmel ist Mitglied des kuratorischen Beirats der BfF #1.

Deutsche Übersetzung von Martha Martin-Humpert.

Auszüge von „A Walk“ von Rahima Gambo


04.11.2020 / BfF #1

„Can we walk as a response to this?“
Dies ist eine der ersten Fragen, die Rahima Gambo in ihrem Video A Walk stellt.

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Auszüge von „A Walk“ von Rahima Gambo

04.11.2020 / BfF #1

Einleitung von Aziza Harmel

Can we walk as a response to this?
Das ist eine der ersten Fragen, die Rahima Gambo in ihrem Video „A Walk“ stellt. Für die Künstlerin ist das Gehen ein narrativer Akt und so sammelt sie auf ihren Spaziergänge Objekte, die sie in ihre Zeichnungen und Installationen integriert. Ihre Praxis des Gehens entwickelte sie bei der Untersuchung der ansteigenden Selbstmordattentaten im Nordosten Nigerias. Unsicher, wie sie diesem Entsetzen begegnen soll, begibt sie sich auf den Weg, um im Gehen die Informationen zu sammeln, die sich unter der Oberfläche dessen befinden, was sie mit ihren eigenen Augen wahrnehmen kann. Dabei wird der Weg zu einem Ort der Erinnerung und des Wissens, gleichzeitig verschiebt sich der Fokus und verschiedene Wahrnehmungen verschmelzen miteinander. Das Gehen umfasst unterschiedliche räumliche und zeitliche Wissenssysteme und ist für die Künstlerin ein Versuch der Heilung, indem Auseinandergerissenes und vereinzeltes Material zusammen findet. Auch in ihren Collagen, Assemblagen, Fotografien und Videostills fühlt der Betrachter diesem Prozess des Neuentstehens aus dem Alten nach, das sich doch essenziell von Bestehendem unterscheidet: „Not a woman, not a plant, not a picture, not a drawing, not a body, not a landscape, not a photograph, not a sculpture, not stillness and not movement.“

Wenn Information Kontrolle bedeutet,
was ist dann das Gegenteil davon?

Die zwei Zeilen lesen sich wie ein Rätsel.
In der tiefen Stille, der tiefen Besinnung,
in den tiefen Wassern.
Wo aller Klang gedämpft ist und die Sicht verschwimmt.
Können wir das begreifen?
Können wir wandern, ohne unser Ziel zu kennen?
Ohne bekannten Ausgang oder ein Ende in Sicht?
Können wir wandern, als Antwort darauf?

Hier
‚Hier war es, wo sie es hochgehen lies‘, sagte ein Mann.
Ich schaue herunter und bemerke einige Fetzen zerrissenen Stoffs,
eins geworden mit Erde und zerbrochenen Stöcken.
Und ich schaute weiter in die Ferne, dahin wo sich das rötliche, braune Land mit dem Himmel trifft.

Wie wickelt man Sprache um das Unerklärliche, das Ungewisse und Schreckliche?
Wenn wir mit dem Unverständlichen konfrontiert werden, stolpert die Sprache vor Angst.
Die Werkzeuge des Deutens, des Bezeugens und des Dokumentierens genügen dann nicht mehr. In diesen Momenten sollten wir keine Phrasen mehr formulieren, sondern vielleicht auf das Inkohärente mit Inkohärenz zugehen, auf das Negative mit Negativität.

Ich habe eine Erinnerung, es ist nicht meine eigene. Es ist die meiner Mutter. Sie ist acht und läuft den Weg von ihrem Dorf ‚Wurode‘ zur Schule. Sie ist ein kleines Kind, kleiner als die anderen Kinder. Während sie geht, wirbelt sie Sand mit ihren Füßen auf. Die Haut an ihren Füßen ist rissig. Winzige Steine schneiden in die weichen Stellen, die bereits taub sind von dem langen, weiten Marsch.

Während ich gehe, denke ich nach. Darüber wie ich einen Bruch richten, einen Schnitt flicken und all die Teile wieder zusammenfügen kann, von dem, was hier in der Landschaft fragmentiert und explodiert ist.

Flucht
Flucht ist die weite Sicht eines Ortes
Flucht ist auch ein anderes Wort für einen Blumenstil der sich von der Erdoberfläche empor hebt.
Flucht ist ein Schaft oder der Teil eines Tiers wie ein Fühler, eine Feder.

Flucht
F-lucht
Fluch-t
fliehen

Fliehen vor den begrenzenden Einschränkungen eines bestimmten Ortes, einer bestimmten Umgebung.
Fliehen vor Verletzung und Trauma.
Trauma, das uns einfriert und erstarren lässt.
Trauma, das uns vorschnell nach einer Sprache greifen lässt,
die dicke Eisschichten über der Leere des Unwissens auftürmt,
wie jemand mal gesagt hat.
Wird das Eis durchbrochen, erkennt man die Zweidimensionalität.

Ich musste mich bewegen.
Ich musste gehen.
Mit jedem Schritt lehne ich mich gegen etwas, dass ich zunächst für das Nichts hielt, doch bei näherer Betrachtung öffnete sich ein dichter und rasender Raum voll Information, nicht Informationen die man einfach als solche erkennt. Sondern etwas, dass sich unter der Oberfläche dessen, was ich mit meinen Augen erkennen konnte, befand.

Während ich ging, lernte ich, dass man sich der Wunde nicht direkt nähern sollte.
Man sollte wandern, um sie herum wandern, sich umdrehen und sich wieder entfernen, eine Zeit lang hinaus gehen, dann auf dem Absatz umdrehen und hineingehen.

Drinnen, das ist wo echte Heilung liegt.
In der Innenwelt und der inneren Landschaft.
Was ist Heilung, außer das Zusammenfügung von Dingen?
Ja, geh auf einer geraden Linie.
Und nach einer Weile, verlass den Pfad und verlass dann auch diesen neuen Weg wieder.
Geh, bis du auseinanderbrichst und jegliche Grenzen zwischen Innen und Außen erschütterst.

Löse dich an deinen Rändern ein wenig auf und verstreue dich selbst als einen Haufen ordentlich geschnittenen Rasen.
Dann beginne langsam, die Einzelteile wieder zusammen zu fügen.
Doch dieses Mal werden die Teile sich so zusammensetzen, wie sie wirklich passen, anders, ganz anders als sie vorher waren.

Unzusammenhängend und unangenehm und inkohärent.
Ja, man fügt sich wieder zusammen.
Aber nicht so, wie es einmal war.
Nicht als Frau, nicht als Pflanze, nicht als Bild, nicht als Zeichnung, nicht als Körper, nicht als Landschaft, nicht als Fotografie, nicht als Skulptur, nicht als Stille, und nicht als Bewegung.


Rahima Gambo ist Künstlerin und lebt in Abuja, Nigeria.

Die Textauszüge sind ein Transkript des Voice Overs aus dem Video A Walk, das von Bildern aus der A Walk Series begleitet wird. Beide Arbeiten sind Teil des fortlaufenden Projekts A Walk Space, das die Künstlerin 2018 begonnen hat. Rahima Gambo wird an der ersten Ausgabe der Biennale für Freiburg kommendes Jahr teilnehmen.

Vielen Dank Maristella Witt für die Transkription und deutsche Übersetzung des Textes und Martha Martin-Humpert für das Lektorat der Übersetzung. Alle Bilder sind Teil der Arbeit A Walk Series (2018) von Rahima Gambo, courtesy die Künstlerin.

Ortsbegehung


24.09.2020 / BfF #1

Ortsbegehung und erste öffentliche Ankündigung der Biennale für Freiburg #1

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Ortsbegehung

24.09.2020 / BfF #1

Ortsbegehung und erste öffentliche Ankündigung der Biennale für Freiburg #1

Bei der Ortsbegehung im Stadtpark wurde erstmals das neue Format der Biennale für Freiburg und das Konzept der ersten Ausgabe vorgestellt – ein erster Startschuss für BfF #1, die kommendes Jahr stattfinden wird: zwischen Mai und Juli 2021 mit dem Studioprogramm und im September 2021 mit einer öffentlichen Ausstellung an verschiedenen Orten in Freiburg und einem verdichteten Veranstaltungsprogramm. Vielen Dank an alle, die im September trotz teilweise schwierigen Wetterbedingungen zur Ortsbegehung gekommen sind!

Ankündigung der Biennale für Freiburg im Musikpavillon des Stadtgartens. Fotografie: Marc Doradzillo.

Heinrich Dietz, Direktor des Kunstvereins Freiburg und Vorsitzender des Vereins Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V., der die BfF ausrichtet, rekapituliert, wie beginnend mit einer Initiative Freiburger Künstler*innen und Kulturschaffenden die Entscheidung getroffen wurde, eine Biennale auszurichten. Diese Initiative entstand nach der Schließung der Außenstelle der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe im Jahr 2017 und erarbeitete gemeinsam ein Kunstkonzept, das mit Unterstützung des ersten Bürgermeisters Ulrich von Kirchbach in den städtischen Doppelhaushalt aufgenommen wurde. Einig war man sich in der Arbeitsgruppe darüber, dass es, obwohl kein Ersatz, als Reaktion auf die Schließung der Außenstelle neue Impulse für die zeitgenössische Kunst in Freiburg benötigt und diese durch das Format einer temporären Ausstellung, die auch im öffentlichen Raum stattfindet, erzeugt werden können. Aus der Initiative entstand eine kleinere Arbeitsgruppe, die heute den Vorstand des ausrichtenden Vereins bildet, bestehend aus Heidi Brunnschweiler, Heinrich Dietz, Julia Galandi-Pascual und Ben Hübsch. Im nächsten Schritt wurde Leon Hösl als Künstlerischer Leiter mit der Konzeption und Umsetzung des neuen Formats beauftragt.

Heinrich Dietz: „Wenn ich mir das stimmige Konzept für die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg anschaue, bin ich überzeugt, dass sie Impulse setzten wird, die sowohl in die Stadt hinein als auch über die Stadt hinauswirken werden. Denn eins ist sicher: mit der ersten Ausgabe der Biennale wird ein neuer und wichtiger Schritt, aber hoffentlich nicht der einzige Schritt getan, um das kulturelle Leben der Stadt nachhaltig mit zeitgenössischer Kunst zu bereichern.“

Heinrich Dietz, Vorsitzender des Vereins Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V., der die BfF ausrichtet. Fotografie: Marc Doradzillo.

Für Leon Hösl, Künstlerischer Leiter der Biennale für Freiburg, beinhaltet der Namen des neuen Formats bereits einige Anhaltspunkte für die programmatische Ausrichtung:

„Die Bezeichnung als ‚Biennale‘ steht für eine Kontinuität, durch die, anders als mit kurzfristigen Projekten, eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Kunst möglich ist. Es geht nicht darum, den Vergleich mit den größten Biennalen der Welt zu suchen, aber den Rahmen zu schaffen, um immer wieder, aber auch immer wieder anders, künstlerisch auf Freiburg reagieren zu können. Das für impliziert, dass die Stadt Freiburg thematisch die Ausrichtung der jeweiligen Ausstellungen der Biennale bestimmen soll.

‚Für Freiburg‘ ist also auch als Angebot zu verstehen – ein Angebot sich aus der Außenperspektive Gedanken über den lokalen Kontext zu machen und auf diesen zu reagieren; dabei Bedürfnisse festzustellen und auf diese einzugehen, aber auch auf Probleme hinzuweisen und diese direkt anzusprechen. Diese Beziehung zwischen der Biennale für Freiburg und der Stadt Freiburg, bringt das Akronym BfF eigentlich bereits auf den Punkt - BFF, BEST FRIENDS FOREVER.“

Leon Hösl, Künstlerischer Leiter der Biennale für Freiburg. Fotografie: Marc Doradzillo.

Stellvertretend für den kuratorischen Beirat, der an der Konzeption und Programmierung der Biennale für Freiburg beratend beteiligt ist, stellen Christoph Chwatal und Fritz Laszlo Weber die Arbeitsweise der Gruppe vor. Aufgrund aktueller Reisebestimmungen konnten die drei anderen Mitglieder, Aziza Harmel, Fanny Hauser und Magdalena Stöger, nicht anwesend sein, waren aber dennoch bei der Veranstaltung zu hören.

Auszug aus dem Statement des kuratorischen Beirats: „Der Beirat trägt in seiner Form und Ausgestaltung dazu bei, verschiedene Perspektiven auf die Entwicklung einer Biennale für Freiburg zu versammeln. Das Wort ‚für‘ ist, wie auch das Wort ‚bei‘, eine Präposition, ein Verhältniswort. Es steht noch vor dem eigentlichen Ausdruck – wie auch wir noch vor dem eigentlichen Ereignis, der Biennale für Freiburg 2021, stehen. Präpositionen können lokale, temporale oder kausale Bedeutungen tragen oder zur Markierung grammatischer Verhältnisse dienen. Als Beirat sehen wir unsere Aufgabe darin, die Biennale dabei zu begleiten, das Verhältnis von ‚Biennale‘, ‚für‘ und ‚Freiburg‘ auszugestalten.

Verhältnisse sind dabei häufig von unsteter Beschaffenheit. Sie wandeln sich. Sie aktualisieren, erneuern und verändern sich. Gleichzeitig basiert ein Verhältnis immer auf dem, was gewesen ist. Es baut darauf auf. Den Prozess des Begleitens und unsere Gespräche verstehen wir dabei als eine Art Werkzeug, neue Beziehungen und Verhältnisse aufzubauen und zu formen. Aus vormals informellen Momenten des Austauschs entwickeln sich nun neue Arbeitsstrukturen, die wir offenlegen möchten. So begleiten und reflektieren wir die prozesshaften und ortsspezifischen Arbeitsweisen der Biennale.“

Das Konzept für die BfF #1 nimmt, angestoßen durch die erwähnte Schließung der Außenstelle der Karlsruher Akademie für bildende Kunst, das Studio zum Ausgangspunkt. Dabei wird es darum gehen, Prozesse und Handlungen, die üblicherweise im Studio eines Künstlers oder einer Künstlerin stattfinden, in andere Kontexte und Situationen zu übertragen. Nachdem die Ateliers der Kunstakademie nicht mehr existieren, müssen neue Orte gefunden werden, an denen Kunst produziert, diskutiert und gelehrt werden kann. Solche Orte können auch im öffentlichen Raum zu finden sein und eine Methode, sich diesen zu erschließen ist das Gehen. Das Gehen, frei nach Lucius Burckhardt, als Methode, um einzelne Eindrücke in eine filmische Abfolge zu übersetzen, durch die bewegliche Stadtbilder erzeugt werden, die zu einem tieferen Verständnis der Umgebung führen können.

Oder, wie für die Künstlerin und gelernte Journalistin Rahima Gambo, das Gehen als einer Suche nach anderen Formen des Berichtens, das nicht versucht, die subjektiven Erfahrungen von Ereignissen in Fakten zu übersetzen. Ihr fünzehnminütiger Film A Walk wurde unter dem Dach des Musikpavillons gezeigt, darin wird das Gehen zu einer Suche nach einer anderen Form von Wissen und dessen Weitergabe.

Exemplarisch für diesen Zugang wurde bei der Ortsbegehung der Stadtpark im Nordosten der Freiburger Altstadt begangen. Dabei fielen besonders die vielen Denkmäler und Statuen auf, die in diesem Park positioniert wurden – häufig an anderen Orten abgebaut und hier, fast wie in einem Museum, abgestellt.

Ein Denkmal gedenkt der gefallenen Soldaten verschiedener badischer Regimente im ersten und zweiten Weltkrieg: eine gigantische Säule, mit aufgesetztem Helm, auch Hutständer genannt, Inbegriff heroischer Männlichkeit. Der eigentliche Held des Parks fehlt – der Erpel im Teich, der noch vor dem offiziellen Alarm vor Fliegerangriffen auf die Stadt warnte. Sein Schnabel war beschädigt und wird nun sorgsam restauriert. Mitten in den Rosen leuchtet in reinem Weiß eine Marmorstele. Eine Sonnenuhr, mit weiblichem Körper, die Arme, kaum erkennbar, wie gefesselt durch ihr Kleid. Seit einigen Jahren fragmentiert ist sie nachts Vandalismus zum Opfer gefallen und hat ihren Kopf verloren, der noch immer fehlt. Ist sie neidisch auf den Erpel, der so fürsorglich behandelt wird? Soll ihr Kopf auch restauriert werden, und wenn ja wie? Eine weitere Lücke in diesem Park, in dem so viele Objekte stehen, die Erinnerungen verkörpern, ist die Rede von Rosa Luxemburg. Diese hat sie im Jahr 1914 an diesem Ort an tausenden Freiburger*innen gerichtet – an sie gibt es keine materielle Form der Erinnerung – keinen Hutständer oder einen Erpel aus Stein. Bloß ein Sticker auf dem Seifenspender der öffentlichen Toilette. Wie könnte diese Geschichte trotzdem zu einem Teil dieses Ortes werden?

Präsentation der Graphik der BfF an den Wänden der Präsenzgasse, einer der schmalsten Straßen der Stadt. Fotografie: Marc Doradzillo.

Der letzte Halt der Ortsbegehung führt die Gruppe in die wahrscheinlich kleinste Straße Freiburgs. Die leicht zu übersehende Präsenzgasse führt in Richtung des Münsterplatzes. Die Präsenzgasse dient nun als erster Ort, an dem Plakate die BfF #1 ankündigen. Wenn Sie sich für unseren Newsletter anmelden und diesen Blog verfolgen, erfahren Sie hier bald mehr über die Entstehung des Grafikdesigns und der eigens entwickelten Schrift Difficult Times, die von Ronja Andersen und Marius Schwarz entwickelt wurden.

Fotografien: Marc Doradzillo

Studioprogramm
Mai – August 2021

Ausstellung und öffentliche Veranstaltungen
September 2021

Die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg (BfF #1) beschäftigt sich unter der Leitung von Leon Hösl mit künstlerischen Produktionsweisen innerhalb und außerhalb des Studios. Ausganspunkt ist die Schließung einer jahrzehntealten Institution, der Außenstelle der Karlsruher Akademie für bildende Künste in Freiburg. Diese bestand aus zwei Klassen für Malerei, die 2017 die Stadt verlassen und an den Hauptstandort nach Karlsruhe gezogen sind. Nun ist die Biennale für Freiburg mit der Situation konfrontiert, dass während mit ihr eine neue Institution für Kunst gegründet wird, mit der Kunstakademie eine andere weggefallen ist. Um diesen Vorgang nicht zu ignorieren, geht BfF #1 dem Verhältnis von temporärer Ausstellung, akademischer Ausbildung und künstlerischen Formen von Lehre und Wissensproduktion nach. Anstatt dabei die eine durch die andere Institution zu ersetzen, soll es darum gehen, Prozesse und Handlungen, die üblicherweise in einem Akademiestudio stattfinden, in andere Kontexte und Situationen zu übertragen. Dies beginnt mit der Behauptung, dass ein Studio nicht notwendigerweise einen physischen Raum benötigt. Fällt dieser weg, müssen andere Räume gefunden werden, die den Bedingungen eines Studios entsprechen. Dafür müssen wir verstehen, was für ein Ort ein Studio ist.

Ein Studio ist ein Ort der Produktion, des Experiments und des Austauschs. Ein Studio ist ein geschützter Ort für darin stattfindende Gedanken und Handlungen. Ein Ort für Dinge, die im Werden begriffen sind. Ein Ort der regelmäßigen Überprüfung. Ein Ort, an dem Handlungen präsentiert, getestet und reflektiert werden. Ein Ort, der ehrliche Meinungsäußerung ermöglicht. Ein Ort, um Fähigkeiten zu trainieren und anzuwenden. Ein Ort für Produktion und Zerstörung, für Abwägung und Spontaneität. Ein Studio ist ein Ort, an dem Vorschläge gemacht werden.

Mit der Suche nach anderen Räumen für künstlerische Produktion und Austausch, reagiert die Biennale für Freiburg auch auf ein sehr aktuelles Gefühl der Isolation innerhalb des eigenen Arbeits- oder Lebensraums. Denn so essentiell dieser als Arbeitsort ist, sobald das physische Studio nicht länger selbst gewählter Rückzugs- sondern erzwungener Schutzraum ist, wird aus der Freiheit eine Beschränkung. Daher sucht BfF #1 nach Wegen, das Studio aufzulösen und auf den öffentlichen Raum zu beziehen. Somit wird für die Biennale für Freiburg #1 der öffentliche Raum zum Ort der Produktion und zum Gegenstand der Auseinandersetzung.

BfF #1 findet 2021 in zwei Phasen statt: Während des Studioprogramms zwischen Mai und August 2021 werden teilnehmende Künstler*innen während Arbeits- und Rechercheaufenthalten in Kontakt mit lokalen Gegebenheiten treten, künstlerische Projekte konzipieren und öffentliche Impulse setzen. Im September 2021 werden diese Prozesse in einen Ausstellungsparcours und ein zunehmend verdichtetes Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm übersetzt.

Die Biennale für Freiburg wird von Leon Hösl konzipiert und umgesetzt, unterstützt durch den kuratorischen Beirat bestehend aus Christoph Chwatal, Aziza Harmel, Fanny Hauser, Magdalena Stöger und Fritz Laszlo Weber.
Teilnehmende Künstler*innen werden in den nächsten Monaten bekanntgegeben.

Die Biennale für Freiburg (BfF) ist eine neue Plattform für die Präsentation, Entwicklung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst in Freiburg. Anhand wechselnder Themensetzungen widmet sie sich künstlerischen Zugängen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen. Ziel ist es, stetige Bezüge zur Stadt herzustellen und einen nachhaltigen Beitrag zum kulturellen und künstlerischen Leben Freiburgs zu leisten. Die Biennale versteht sich als ein Angebot für Freiburg, das die eingehende Beschäftigung mit der Lokalität in Spannung zu außenstehenden Perspektiven setzt, welche durch die Beteiligten eingenommen werden. Die Wahl des geläufigen Akronyms BFF und worauf es verweist, sind dabei durchaus beabsichtigt: eine Verbindung basierend auf Unterstützung und Intimität, Gespräch und Ehrlichkeit, verknüpft mit dem arglosen Wunsch, dies niemals enden zu lassen – Best Friends Forever.

Künstlerischer Leiter und verantwortlich für die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg ist Leon Hösl. Er wurde durch den Vorstand des Vereins Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V., der die Biennale ausrichtet, mit der Konzeption und Durchführung beauftragt. Erfahren Sie hier mehr über die erste Ausgabe, BfF #1.

Kontakt

Dreisamstr. 21
79098 Freiburg im Breisgau
Deutschland

info@biennalefuerfreiburg.de
+49 151 64194680

Team

Leon Hösl / Künstlerischer Leiter
lhoesl@biennalefuerfreiburg.de

Catherin Schöberl / Projektassistentin
cschoeberl@biennalefuerfreiburg.de

Aziza Harmel, Christoph Chwatal, Fanny Hauser, Fritz Laszlo Weber und Magdalena Stöger / Kuratorischer Beirat

Impressum

Die Biennale für Freiburg wird durch den Verein Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V. ausgetragen

Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V.
Dreisamstr. 21
79098 Freiburg
verein@perspektivenfuerkunst.de

Vorstand:
Heinrich Dietz, 1. Vorsitzender
Heidi Brunnschweiler, Stellvertretende Vorsitzende
Julia Galandi-Pascual, Schatzmeisterin
Ben Hübsch

Registergericht: Amtsgericht Freiburg
Registernummer: VR 702810

Inhaltlich Verantwortliche gemäß § 10 Absatz 3 MDStv:
Leon Hösl (Geschäftsführer, Anschrift wie oben)

Graphik Design: Ronja Andersen und Marius Schwarz
Programmierung: François Girard-Meunier
Schrift: Difficult Times

Förderer

Der Verein und die Biennale für Freiburg werden unterstützt durch die Stadt Freiburg, die Baden-Württemberg Stiftung, die LBBW-Stiftung und das österreichsiche Bundesministerium für Kunst und Kultur.

Copyright

Alle Rechte, insbesondere das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie Übersetzung vorbehalten. Keine der Abbildungen darf ohne Genehmigung des*der jeweiligen Künstler*in reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
© Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V., die Künstler*innen, Fotograf*innen und Autor*innen, 2020

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